Buchbesprechung: Jan Stressenreuter: Mit seinen Augen

Felix kehrt nach fast dreißig Jahren ans Sterbebett seiner Mutter zurück, die ihn aus dem Haus geworfen hat, als er ihr eingestanden hat, schwul zu sein. Sein Vater war damals schon lange tot, aber es ist deutlich, dass es um sein Vater ein großes Geheimnis gibt, das nicht nur Felix‘ Leben, sondern vor allem das seiner Mutter geprägt hat.
Auf seiner Reise in die Zeit der fünfziger Jahre, in denen die tragische, zum Scheitern verurteilte Liebe seines Vaters alle in seiner Umgebung gezeichnet hat, entdeckt Felix, wie viel sich in über 40 Jahren geändert hat. Das Sittengemälde, das Stressenreuter von der bigotten Krämermentalität jener Jahre zeichnet, ist erschreckend, bedrückend und ein Fanal für uns heute, unsere Errungenschaften zu verteidigen und für unsere Liebe einzutreten. Diese Erkenntnisse über die kleinbürgerlichen Adenauer-Ära bietet, sind für Felix womöglich ein Zeichen, wie er mit seinem eigenen Leben, seinen Verwandten, vor allem aber mit seinem Lebensgefährten umzugehen hat.
Eine eindringliche und berührende Geschichte, die mehr Leser als die aus dem „schwulen“ Lesekreis verdient.

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Über kaynerlei

Übersetzer, Dolmetscher und Deutscher mit Wahlheimat in den Niederlanden, liebem Ehemann, zwei Hunden und Faible für Oper und schöne Stimmen
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