Buchbesprechung: Juli Zeh: Schilf

Ob hochwissenschaftlich, philosophisch oder theoretisch verklärt, letztendlich geht es bei vielen Kriminalfällen doch immer wieder um allzu Zwischenmenschliches.

Die ganze Geschichte dreht sich einerseits um zwei Physiker, die voneinander nicht lassen können und in ihrer mehr oder weniger verklemmten Homosexualität gefangen sind, während sie ihre emotionale Auseinandersetzung über das Thema der Physik austragen, und andererseits um den Ermittler Schilf, der seinem Tode zutreibt, vorher aber noch dem Physiker Sebastian aus dem Schlamassel helfen will. Dessen Sohn wurde nämlich entführt und für dessen Freilassung soll er den (vermeintlichen) Liebhaber seiner Frau ermorden.
Da der Einleitung mit den beiden Studienfreunden Sebastian und Oskar eine derartig umfassende Aufmerksamkeit gewidmet wurde, ist schnell deutlich, wer sich hinter dem Auftrag verbirgt. Interessant bleibt der Weg zur Auflösung, der allerdings durch umfassende theoretisierende Schleichwege ziemlich undurchsichtig wird.

Ein literarischer Thriller ist ja schön und gut, aber man kann sich da auch etwas übernehmen. Schade eigentlich, denn einige der Charaktere sind wunderbar ausgedacht, und die Bildsprache von Zeh zeichnet sich zumeist durch Prägnanz und treffende Bildsprache aus; aber halt auch hier ist es des Guten wohl etwas zu viel.

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Über kaynerlei

Übersetzer, Dolmetscher und Deutscher mit Wahlheimat in den Niederlanden, liebem Ehemann, zwei Hunden und Faible für Oper und schöne Stimmen
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