New York – mitten im Leben inklusive Starbucks

Wer amerikanische Spielfilme sieht, wer gerne fernsieht und wer auch noch amerikanische Literatur liest, der kennt sich eigentlich schon fast in New York aus. Gebäude sind bekannt, Straßennamen rufen bestimmte Assoziationen hervor und berühmte Einwohner wirken wie Ikonen der großen Stadt. Da wird ein Besuch in dieser Stadt zu einer Überprüfung all dieser anscheinend bekannten Bilder und Eindrücke. Und das wollten wir jetzt doch einmal wissen. Allerdings kann so ein Besuch dann auch nach hinten losgehen, wenn nämlich all das Faszinierende und Schöne doch eher grau, monoton oder aufgeblasen wirkt.

Am 13.5., gerade nachdem in Libyen ein Flugzeug abgestürzt war, sollte unser Flug in die USA stattfinden. Wir hatten unser ESTA-Formular online vorbereitet und alle Pässe in Ordnung, sodass wir gut vorbereitet losfliegen konnten. Im Airbus gab’s dann noch Formulare zu Einreise und Zoll. Was für eine Bürokratie! Und das auch noch als zwei Männer aus den Niederlanden, die ja an sich schon ominös wirkten. Da konnte uns ja noch so einiges bevorstehen. Aber nach der Landung ging alles glatt. Es dauerte zwar ein bisschen, bis wir die Prozedur mit Foto und digitalen Fingerabdrücken hinter uns hatten, aber dann konnten wir gleich weg und in die Bahn von Newark nach Penn Station einsteigen. Nach ein paar kläglichen Versuchen, selbst ein Taxi zu finden, stellten wir uns gottergeben am Taxistand an und wurden dann in ein gelbes Auto verfrachtet, das uns flugs und ohne Umwege zum Library Hotel an der Madison Avenue 299 brachte, ohne vom Fahrer beschissen zu werden, ganz im Gegenteil: Der gute Mann war deutlich bemüht, uns vor dem Hoteleingang abzusetzen. So nett wie im Taxi ging’s im Hotel weiter. Freundlicher Empfang mit schnellen Erklärungen zu allem, Gepäckjunge AJ, der unsere Koffer nach oben brachte (habe ich vorher noch nie gehabt) und dann das erste Umschauen im Zimmer. Klein, aber optimal und geschmackvoll eingerichtet. Alles da, und alles praktisch zur Hand. Sogar WiFi im Zimmer. Und eine Minibar, die per Gewicht funktioniert: sobald etwas herausgenommen wird, klingelt unten die Kasse, wenn das entsprechende Getränk bei unserer Kreditkarte belastet wird. Da strahlt der grüne Dollar.
Sobald die Koffer geleert waren, ging’s zum Starbucks gegenüber. Eigentlich ist hier überall ein Starbucks gegenüber, und dort arbeiten fast ausschließlich farbige Amerikaner, sicherlich wegen der dürftigen Bezahlung. Aber sie helfen schnell und korrekt, denn einen Kaffee zu bestellen ist gar nicht so einfach. Welche Sorte soll es sein, klein, mittel oder groß, wobei klein hier merkwürdigerweise „tall“ heißt. Danach noch die Entscheidung zu fettarm, normal oder Sojamilch und zu eventueller Cream dabei. Aber auch das gelang uns. Mit Kaffee und leckerem Kuchen bummelten wir zum Bryant Park, um das echte New-York-Gefühl zu bekommen: Wir liegen im Gras mit unseren Pappbechern voll Kaffee und gucken zufrieden um uns herum, bewundern die riesigen Wolkenkratzer und freuen uns über die warme Sonne. Wer hätte das gedacht, das alles so gut läuft und wir nachmittags um halb sechs schon richtig angekommen sind. Von Jetlag keine Spur, obwohl es in Europa schon fast Mitternacht ist.
Tatendurstig zieht es uns dann zum Empire State Building, das einen Block weiter liegt. Ob wir doch reingehen sollen? Die Empfangshalle ist ruhig und kurzentschlossen fahren wir die Rolltreppe zum Besuchereingang hoch. Oh, da steht schon eine Warteschlange mit Menschen, aber wo wir nun doch da sind, können wir ja wohl auch mitwarten. Außerdem ist die Schlange ganz gut in Bewegung. Nach einigen Serpentinen kommen wir zur Taschenkontrolle. Alles ein leidiges Übel heutzutage leider. Diese Schlange hätten wir also geschafft, und schlittern gleich in die nächste: an der Kasse. Nach der Schlange werden wir geschickt von einem Raum in den nächsten geführt, der uns immer mit dem gleichen Bild erwartet: einer neuen Warteschlange, die sich hin und her bewegt. Und jedes Mal scheint irgendwo ein Ende in Sicht zu sein, das aber nur der Beginn der nächsten Schlange ist. Aber endlich geht es dann doch in den Expresslift in den 80. Stock. Und auch dort wieder eine Schlange für den Aufzug zur 86. Etage, die wir aber umgehen, weil wir die letzten sechs Stockwerke per Treppe zurücklegen. Ha. Oben werden wir dann gegen 19 Uhr mit einem wunderbaren Ausblick belohnt und können uns schon einmal all das ansehen, was wir in den nächsten Tagen noch alles erkunden wollen, alles in der richtigen Perspektive und mit Abständen zueinander. Was kümmern uns da die Massen und die Leute, die ständig im Wege stehen! Wir machen schließlich genau das gleiche und genießen es. Wir können unser Glück noch gar nicht fassen, dass wir wirklich die Brooklyn Bridge, den Central Park, das Flatiron Building und noch so viel mehr von hier oben sehen. Und dazu haben wir einen wunderbaren Abendhimmel mit den letzten Sonnenstrahlen. Großartig. Aber es ist nicht nur der gigantische Knalleffekt der Überdimensionen, der uns beeindruckt, sondern es sind auch die vielen Gegensätze zwischen alt und neu, zwischen den Menschen verschiedener Kulturen, zwischen Kitsch und Stil, zwischen entspannt und überdreht, zwischen echt und überzogen. Durch eine neoklassizistische Fassade bekommt ein Glaspalast ein neues Gesicht, während die Art-Deco-Kuppel einen beeindruckenden Gegensatz zur Backsteinwand daneben bietet. Wir sind schon jetzt wie satt von all den Bildern. Was wir aus den Filmen und Büchern kennen, wird bestätigt und noch verstärkt. In nichts enttäuscht, fühlen wir uns eigentlich schon wie zu Hause und fügen uns ein in das Leben in dieser Stadt, die größer ist als all das, was wir kennen.
Nach einem leicht fettigen, aber schnellen Essen ist es an der Zeit, dann doch ins Bett zu steigen. Es ist zwar erst halb 10, aber durch den Zeitunterschied natürlich schon gefühlte halb vier nachts. Und trotzdem schlafen wir beide recht unruhig, sind oft wach und können schon um halb sieben nicht mehr liegen bleiben, sodass wir die ersten beim Frühstück um sieben Uhr sind. Wer steht in einem Hotel auch sonst freiwillig vor Tag und Tau auf. Nur Touristen mit Jetlag. Das Frühstücksbüffet war zwar noch nicht komplett, trotzdem aber genau das Richtige für uns. Nutella statt Wurst und Brötchen statt Spiegelei. Zum Stärken für den Tag also optimalst geeignet.
Wer so früh frühstückt, steht natürlich auch schon früh auf der Straße. Da hilft auch ein Starbucks Kaffee bei Barnes & Nobles nicht. Das Metropolitan Museum of Modern Art, kurz MOMA, war trotzdem noch zu. Also am Rockefeller Plaza und am Trump Tower vorbei in den Central Park. Es schien jetzt immer weiter aufzuklaren. Trotzdem war der Engel bei Bethesda Fountain eingerüstet. Dafür war die Toilette gepflegt und sauber. Mit leerer Blase konnten wir dann weiter Richtung Guggenheim, als es auf einmal immer dunkler wurde, und es auf einmal – nur 10 Minuten, nachdem wir gesagt hatten, dass das Wetter richtig gut sei – zu regnen anfing. Mit übergeworfener Kapuze und im Schweinsgalopp ging es jetzt unter etwas schützenden Bäumen weiter. Beim Guggenheim Museum war der nasse Spuk aber schon wieder vorbei; es blieb nur eine feuchtwarme Luft wie nach dem Duschen, wenn man eigentlich schnell ein Fenster aufreißen will, um frische Luft hereinzulassen.
Beim Guggenheim standen draußen die Leute schon wieder Schlange. Als dann aber auch drinnen in der runden Halle die Leute wiederum zum Kartenkauf anstanden, obwohl die großen Deckenfenster über dem kreisförmigen Treppenhaus verdunkelt waren, beschlossen wir, uns den Museumsbesuch zu schenken. Immerhin war ja im kleinen Museumsladen noch ein Dachfenster zu sehen, sodass wir einen gewissen Eindruck zu der Lichtgewalt des Konzepts von F.L. Wright bekamen. Stattdessen machten wir draußen noch ein paar Fotos und bummelten dann kreuz und quer durch Central Park zurück. Schulklassen mit wahlweise farbigen Kindern, asiatischen Mädchen oder einem bunten Allerlei waren mit ihren Lehrern im Park unterwegs. Ein Konzertpodium wurde aufgebaut. Und wir ließen uns als Tropfen auf den heißen Stein des Hungers einen Hot Dog schmecken, während eine kleine Band Jazzklassiker zum Besten gab. Entspannte Atmosphäre, schwülwarme Luft und Freude über die freien Stunden ließen uns genießen. Hinter der grünen Naturgewalt des Parks türmten sich graue Beton- und Stahlkolosse auf, die einen beeindruckenden Gegensatz schufen, bei dem das Eine das Andere nicht ausschließt, sondern verstärkt. Da gelingt der Umstieg von der grünen Stadtoase in die quirlige Großstadt absolut problemlos. Die Stippvisite beim Apple Flagstore war selbst schon eine Sehenswürdigkeit: hunderte Menschen spielten mit iPads, iPhones, MacBooks und vielen anderen Gadgets herum, und standen dann auch noch in einer langen Reihe an der Kasse, um ihre neuen High-Tech-Schätze bezahlen zu dürfen. Im MOMA war es auch voll, aber Schlangestehen war nicht nötig. Dafür irrten wir ein wenig umher, um festzustellen, ob wir jetzt unsere Taschen abgeben mussten oder nicht. Herumirren musste man ebenfalls im Rest des Gebäudes, denn bewusst oder unbewusst fehlt es an der deutlichen Linienführung. Wir ließen uns ein wenig treiben und rollten von Stockwerk zu Stockwerk, bis wir überall ein wenig herumgeschnuppert hatten, uns aber für das Design des 20. Jahrhunderts und die Malerei van Picasso und Zeitgenossen am meisten Zeit genommen hatten. Ein vielseitiges Gebäude, das immer wieder neue Ein- und Aussichten bereithält.
Kurzes Shopping gab’s dann im Diesel Store. Ultimatives Shoppen fand dann allerdings bei Macy’s statt. Ob dies nun wirklich das größte Kaufhaus überhaupt ist, sei einmal dahingestellt, denn die Männerabteilung war separat untergebracht und erheblich bescheidener als der Aufwand für die Damen. Fündig wurden wir natürlich trotzdem.
Beim Essen hatten wir auch mehr Glück als am Vortag, denn heute konnten wir aus frischen Zutaten auswählen, die frisch zu Salat und Pastagericht zusammengestellt wurden. Das schmeckt dann gleich viel besser. Und mit vollem Buch und strapazierter Kreditkarte waren wir bereit, uns unseren Prosecco im Zimmer schmecken zu lassen. Für die Geräuschkulisse sorgten dabei Bruce Willis, Samuel L. Jackson und Jeremy Irons beim großangelegten Schlagen und Stechen per DVD. Genau der richtige Ausklang für unseren ersten überwältigenden, aber auch langen Tag im Big Apple.
Um 7 Uhr aufzuwachen, ist im Urlaub immer nervig, aber da lässt sich nicht immer etwas machen. Selbst nach hartnäckigen Versuchen, weiterzuschlafen, führte das alles zu rein gar nichts, sodass duschen und frühstücken die bessere Alternative waren. Außerdem bietet das Frühstück hier ja gleich das große Schmausen mit viel Leckereien. Und dann sollte uns dieser Tag von dem Einen zum Anderen zum Nächsten bis zum Übernächsten führen, sodass wir wiederum viel mehr sehen würden, als wir gedacht hatten, weil wir so in den Sog der Stadt gerieten, dass alles zum immer wieder Nächsten verführte. Der Beginn am Times Square war da noch recht unspektakulär, weil der Platz außer viel greller und hässlicher (Licht-)Reklame eigentlich nichts zu bieten hat. Weiter den Broadway entlang bis zum Flatiron Building. Dieses klassische Hochhaus führte uns rechts weiter zum Washington Square. Hier trifft sich am Samstagmorgen so mancher zum Sonnenbaden, Zeitunglesen, Kaffeetrinken und zum Auslauf für die Hunde, denn in einer Parkecke ist ein Spielplatz für bellende Vierfüßer. Entspannt zurückgelehnt lässt man den Tag auf sich zukommen und schaut den anderen bei deren Müßiggang zu. Lauter nette Menschen kommen zum Nichtstun zusammen. Von hier aus sind es nur wenige Schritte nach Greenwich Village mit der berühmten Christopher Street. Ein Wallfahrtsort ist die kleine Kneipe geworden mit Grünanlage und Memorial gegenüber. In diesem – im wahrsten Sinne des Wortes – Village war auch noch Flohmarkt mit lauter Ständen und Krimskrams, der feilgeboten wurde. Nichts Kaufwürdiges dabei, aber perfekt geeignet, ganz in Ruhe durch die kleinen Straßen zu bummeln. Bei O-Saft und Sandwich durften sich die Füße erholen, denn ganz in der Nähe waren ja auch wiederum TriBeCa und SoHo. Auch interessant laut Reiseführer. Die Sonne wärmte inzwischen auch immer mehr, sodass der kalte Wind jetzt eher erfrischend wirkte. Von der klebrigen Schwüle des Vortages war nichts übriggeblieben als lauter Sommergefühle unter blauem Himmel. Nach einem etwas länger ausgefallenem Fußweg standen wir dann wirklich im nächsten Viertel mit interessanten Läden und Ecken, und sahen auf einmal Baukräne und Bauarbeiten vor uns liegen. Sollte dies dann??? Ja, heimlich still und leise waren wir bis an Ground Zero herangekommen. Wo einst die Twin Towers gestanden hatten, war jetzt eine riesige Baustelle. Der schon in Angriff genommene Neubau wirkte mit den ersten sichtbaren ungefähr zehn Stockwerken eher klein zwischen all den noch stehenden Hochhäusern. In ein paar Jahren würde hier ein Riesenturm neben zwei Gedenkbrunnen für das WTC stehen. Am verspielten Woolworth-Building entlang ging es dann wieder zurück. Natürlich mussten wir auch noch zu Bloomingdale’s, das dann vielleicht nicht das größte, wohl aber ein besonders schönes Warenhaus ist. Auch wenn die Herrenabteilung versteckt im Keller liegt, durften wir doch durchs ganze Gebäude, denn die Toiletten waren ganz oben im 6. Stock. Da konnten wir die geschmackvolle Einrichtung in jedem Geschoss nach Gebühren bewundern. Bis zum Union Square trugen uns dann noch die Füße; dann war Schluss mit Schusters Rappen. Mit der U-Bahn ging’s zurück Richtung Hotel. Da wir aber bis zum Grand Central Station fuhren, nahmen wir den Bahnhof natürlich gleich noch unter die Lupe: die riesige Halle mit dem Sternzeichen-Firmament, die Nebenhallen, die Kronleuchter wie aus einem Palast, den Food Court im Untergeschoss und noch die Außenfassade. Und dann standen wir ja schon fast am Chrysler Building. Statt unseren Füßen endlich Ruhe zu gönnen, pilgerten wir also zu diesem glänzenden Hochhaus mit den Verzierungen und Figuren bis an die elegante Spitze. Noch ein bisschen weiter in die Lexington Avenue zum Gucken, bis wir dann wirklich auch hier so ziemlich alles gesehen hatten und reif fürs Bett waren. Die Füße konnten nicht so, wie wir wollten.
Und am Abend sollte es noch in die Oper gehen! Nach einem kulinarischen Reinfall im Food Court beim Grand Central Station waren wir im Handumdrehen am Lincoln Center und standen auf dem Platz, der mir aus „Moonstruck“ noch so gut in Erinnerung ist. Statt „La Bohème“ sollte es heute „Armida“ geben, aber immerhin mit Renée Fleming in der Hauptrolle. Bis dahin war aber noch Zeit für den Museumsladen, die verschiedenen Etagen des Opernhauses und einen kurzen Blick auf die Chagalls im Fassadenbereich. Den unbezahlbaren Sekt überließen wir den anderen und begnügten uns mit O-Saft und kostenlosem Wasser aus Pappbechern im Foyer. In unserer „Box“ sortierten wir dann fein säuberlich unsere geplagten Beine und Füße in dem viel zu kleinen Raum zusammen und ergaben uns dann fast vier Stunden Oper mit 2 Pausen. Obwohl diese Oper sicherlich nicht zu meinen Lieblingen gehören wird, sorgten Cast und Gestaltung für einen unvergesslichen Abend. Die Ovationen für die amerikanische Diva, vor allem aber auch für den Tenor, der den Rinaldo gab, waren mehr als verdient. Das Kulturprogramm setzten wir in den Pausen fort, in denen wir uns zum Wein hinreißen ließen (kostete auch nur 10 Dollar pro Plastikglas Pinot), dabei aber die beiden prächtigen Chagall-Gemälde genießen konnten. Die geschwungenen Treppen führten uns nach oben und wieder nach unten bis zu unserer Loge. Als wir gegen zwölf wieder draußen standen, waren wir zwar wie erschossen, aber auch begeistert, dass wir das erleben durften: ein Abend in der MET, vor der MET mit Wasserspielen und halb vor der MET (auf dem Balkon mit Blick auf den Opernplatz). Da die Hotelbar schon geschlossen hatte, verzogen wir uns gleich ins Bett. Da verzichtet man gerne auf den letzten Drink.
Sonntag hatten wir somit eigentlich frei. Schließlich hatten wir ja all das gesehen, was wir sehen wollten. Wir hatten unser Pflichtprogramm schon hinter uns, sodass jetzt Zeit für anderes war. Die Highline wurde zum ersten Ziel. Und im Meatpacking District fanden wir ganz wunderbare Straßenzüge vor. Der Spaziergang auf der hochgelegenen Trasse alter Bahngleise war ideal für unseren sonnigen Sonntagmorgen. Entspannte Menschen bewunderten Blumen und durchdacht angelegte Beete, in denen die alten Bahngleise wichtige Elemente waren. Der Blick reichte bis zum Hudson auf der einen Seite und über die Häuser auf der anderen Seite. Über allem war immer wieder das stilvolle Empire State Building zu sehen, das über alle umliegenden Gebäude hinausragte. Leider ist die umgestaltete Highline noch nicht fertig, sodass wir wieder hinab auf die Erde mussten. Aber in Hell’s Kitchen konnten wir noch über einen anderen Flohmarkt bummeln, bevor wir an den Pier für die Rundfahrtboote kamen. Eine 3-stündige Bootfahrt rundum Manhattan müsste doch an einem solch sonnigen Tag genau richtig sein. An Bord waren leider nur noch Schattenplätze frei, für die es aber viel zu kalt war. Da gingen wir nach dem Ablegen lieber an den Bug und standen an der Reling mit Blick auf die City. Das nahmen uns unsere Füße zwar nicht voller Dank ab, aber das war für uns einfach viel angenehmer und praktischer zum Gucken, Schauen, Hinsehen, Erblicken und Bewundern. Drei Stunden lang im Fahrtwind auf dem Wasser führte uns an Up-, Mid- und Downtown Manhattan, der Statue of Liberty, der Brooklyn Bridge, Harlem und noch viel mehr vorbei, bis wir die gesamte Insel umrundet hatten und auf einmal schon ganz im Grünen waren. Auch wenn unsere Füße nicht unbedingt ihre wohlverdiente Ruhe bekommen hatten, war es doch wieder ein neuer Blickwinkel für uns, diese Stadt zu erfassen. Mit offenen Augen liefen wir dann zurück Richtung Hotel. Aber wie immer waren unsere Wege alles andere als gerade und direkt, denn an der 9th Avenue war gerade Food Festival, sodass wir hier ein paar Blöcke Richtung Central Park liefen, um erst dann wieder in die ursprüngliche Richtung weiterzubummeln. Am Times Square hatte sich das Bild seit unserem ersten Besuch komplett geändert, denn jetzt wimmelte es hier von Menschen und gelben Taxis. Ruhiger war es erst wieder, als wir unsere Schuhe und Socken im Bryant Park auszogen, um noch ein wenig Sonne zu spüren. In der Muße des Spätnachmittages ließ sich selbst ein Schmetterling auf Roberts Beinen nieder, zwei Mal sogar. Diese Stadt bietet genau die richtige Kombination aus wildem, hemmungslosem Treiben und beschaulicher, fast dörflicher Entspannung an ganz unerwarteten Orten. Und wir machten gleich mit, passten auch mitten hinein in dieses Durcheinander aus Menschen, Autos und Gebäuden. Und am wichtigsten war dabei, dass wir uns wohlfühlten. Wie hätte es auch anders sein können, wenn man gerade aus dem noch viel zu winterlichen Holland in diese vorsommerliche Stadt gerät, in der Menschen barfuß im Park liegen, laut lachen, einander anlächeln und dabei überall Kaffee und Shakes aus Papp- und Plastikbechern ‚to go‘ trinken.
Außer schnellem Essen aus der Hand wollten wir in New York doch noch einmal richtig essen gehen: weißes Tischtuch, kühler Wein, geschmackvolle Ambiente und wahrscheinlich overprized Food, aber auch heute sollte nichts daraus werden, denn der Mann am Hotelempfang nannte zwar ein paar Restaurants, aber auf Roberts Frage nach einem Essen mit Aussicht, fiel ihm noch eine Bar an der Fifth Avenue ein. Das war uns nicht zu weit, und die Aussicht auf eine metropolische Aussicht war verführerisch. Also ging’s 20 Stockwerke nach oben zu einer modernen trendy Bar mit vielen Sitzgelegenheiten, Barhockern und Bänken für die jungen Leute der Großstadt. Eine Speisekarte mit Menü gab’s zwar nicht, dafür aber einen direkten Blick auf das nahegelegene Empire State Building, das kurz nach unserem Eintreffen beleuchtet wurde. Wiederum halt kein Restaurantessen, sondern Seebarsch und Hamburger, die auch lecker waren, und dazu Rasberry Mojitos, die süß und alkoholisch betörend schmeckten. Wir sahen uns die fröhliche Jugend der Big City an, der es anscheinend nichts ausmachte, sich von den Talking Heads, Prince und Eurythmics beschallen zu lassen statt von einer angesagten Band des 21. Jahrhunderts. Das konnte uns natürlich nur recht sein. Mit den Klängen unserer Jugend sahen wir uns die trendy und hippen Kids von heute an: enge Jeans, aber anders geschnitten als bei uns, modische Schuhe, aber nicht immer passend zur Trägerin oder einfach völlig deplatzierte Gäste, die noch hilfloser herumirrten als wir. Ein recht heiterer Blick hinter die Kulissen des Party Lifes in New York. Ganz toll natürlich war, dass wir bei der anschließenden Bierauswahl eine ganz besonders exotische Wahl treffen durften: entweder Heineken oder Amstel Light. Das, was man im eigenen Lande tunlichst vermeidet, wird einem dann anderswo als ausgefallenes und topaktuelles Angebot angepriesen. Serviert wurde uns das helle Braune dann auch noch im Plastikglas. Nicht mal die Flasche gab’s zum Renommieren dazu. Zu warm und außerdem leicht schal – wohl durchs Plastik – konnte das niederländische Bier nicht unbedingt zur Änderung unseres nicht ganz positiven Urteils über diese Biermarke beitragen. Wie dem auch sei, der Ausblick auf die Skyline war beeindruckend. Fast völlig frei stehend zeigte sich das Empire State Building, etwas weiter entfernt das Chrysler Building, das wie eine alte Limousine aus den 30er Jahren beleuchtet war. Das wirkte auf jeden Fall klasse. Trotzdem wollte ich nach einem dieser köstlichen Biere zurück zum Hotel, zurück in mein Bett, um wenigstens noch ein bisschen zu schlafen vor unserem Abschied aus New York.
Nach Frühstück und Kofferpacken blieb noch Zeit für einen – vorläufig – letzten Besuch im Bryant Park, natürlich mit einem Hot Beverage von Starbucks. Mit meinem E-Book-Reader auf dem Schoß genoss ich die Ruhe des Morgens, während Robert noch ein paar Momente dieses Montagmorgens mit der Filmkamera festhielt. Während auf den Gehwegen Einwohner, Geschäftsleute und Touristen ihren Weg suchten, saßen wir an dieser grünen Oase und erfreuten uns an der Ruhe hier. Als die Unruhe eines Reisetages uns ergriffen hatte, packten wir unsere Sachen zusammen, bezahlten das Zimmer – oh, was hat meine Kreditkarte wieder gestöhnt und gejammert – und liefen um die Ecke zur Bushaltestelle für den Expressbus nach La Guardia. Dort konnten wir gleich einchecken und sehen, dass wir superpünktlich waren, bevor wir dann erkennen mussten, dass unser Flug ganz entgegengesetzt arbeitete. Eine halbe Stunde Verspätung sollte es sein. Nach einem kurzen Anruf bei Julie und einem frühen Lunch waren es dann schon 2,5 Stunden und kurz darauf sogar 3 Stunden. Dabei erwies es sich als doppelt ärgerlich, dass La Guardia trotz des bekannten Namens kein El Dorado des Tourismuserlebnisses oder der Vielfalt ist, sondern nur ein langweiliger Flughafen mit ein paar phantasielosen Geschäften, in denen wenig mehr als die Standardbestseller, New-York-Souvenirs der billigsten Güte oder Elektrogeräte zu überhöhten Preisen angeboten wurden. Nur die Kalorienbomben am Food Court konnten uns das Geld aus den Taschen ziehen, während die Minuten bis zum geplanten Abflug um 18 Uhr vor sich hinkrochen.

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Über kaynerlei

Übersetzer, Dolmetscher und Deutscher mit Wahlheimat in den Niederlanden, liebem Ehemann, zwei Hunden und Faible für Oper und schöne Stimmen
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