Djosers Samstagsspaziergang mit scharfen Hindernissen


So ein morgendlicher Spaziergang ist ja gerne einmal entspannend und erholsam. Das reicht natürlich für die Hunde nicht, denn dann muss es außerdem aufregend und verdauungsfördernd sein, damit kleine Geschäft in des Herrgotts freier Natur im Gesträuch erledigt werden und zudem noch überschüssige Energien vergeudet werden, sodass die Vierfüßer ihre Triebe nicht daheim an Büchern, Schuhen, Jacken oder den Herrchen auslassen.



Sogenanntes Turbospazieren ist natürlich noch besser. Hierbei handelt es sich um die Kombination Drahtesel, leinenhaltendes Herrchen plus zwei übermütige Felle. Nach dem ersten Schweinsgalopp am Rad dürfen die acht Pfoten dann erst einmal von der Leine, um ihren wie auch immer gearteten Gelüsten hinterherzurennen. Meistens ist das eine Kombination aus Pillern, Kaninchengerüchen und stinkenden Fäkalien am Straßenrand, die für die Faszination sorgen, während das Herrchen alle Pfützen umschiffend ein wenig weiterfährt, bis die Hunde irgendwann wieder angeleint werden müssen, bevor es dann zum samstagmorgendlichen Brötchenkaufen beim Supermarkt kommt.

Das Anleinen verläuft allerdings nicht immer ganz reibungslos, wenn es sich unser Djoser in den Kopf gesetzt hat, seine Unabhängigkeit durch ungezieltes Herumschnuppern und Beinchen-Heben unter Beweis stellen zu müssen. Während Queenie ihr Leckerli fürs Gehorchen dann schon intus hat, gibt sich Djoser völlig desinteressiert, behält uns aber sorgfältigst im Auge.
Letztens allerdings war seine Aufregung fast zu verstehen, kreischte doch unweit ein Fasan im Gebüsch. Dann kann ich natürlich noch so viele Hundekuchen in der Hand halten; mit dem farbenfrohen dicken Schreihals etwas weiter entfernt werde ich damit logischerweise nicht mithalten und übe mich in Geduld, während Djoser seine Manneskraft dafür einsetzt, dass der dicke Brocken laut krächzend abhebt, um sich in Sicherheit zu bringen. Schon kurze Zeit später kommt mein Davon-Jäger wieder daher und braucht nur noch vom Golfplatz zum Radweg zu spurten, bevor er uns erreicht hat. Und da ereilt ihn das Schicksal, in Form der scharfen Stacheln am ebenso genannten Stacheldraht. Der tierische Aufschrei zeigt, dass der Kontakt Hundeleib mit Drahtgeflecht nicht völlig schmerzfrei verlaufen ist. Djosers Blick ist aber noch der gleiche – unverfroren, eigensinnig und selbstbewusst -, als er mich erreicht. Wohl doch nichts passiert? Dicke Blutstropfen auf dem Weg zeugen aber doch von unangenehmen Folgen des Zaunkontakts. Wir setzen vorsichtig unseren Weg fort, denn es lässt sich sonst nichts erkennen und Djoser heult mir auch nicht die Ohren voll.

Zu Hause aber zeigt sich, dass die Blutung noch nicht vorbei ist, und ein ganzer Schwall frisch roter Farbe landet auf den Fliesen. Um die Wunde zu schützen, und für ein wenig Ruhe im Hundekörper zu sorgen, verpassen wir Djoser einen wunderbaren Strampler, mit dem er sich goldig im Hundekörbchen macht und sein bestes Teil nicht wild ablecken kann. Das scheint doch die beste Methode zu sein, damit sich die Wunde schließt und Djoser nicht weiter wild herumblutet. Die Theorie ist erst einmal super. Djoser schaut ziemlich bedeppert und beleidigt drein. Die gekränkte Unschuld sozusagen…

Den Nachmittag mit Besuch übersteht unser Patient dann auch recht gut, selbst ohne Ganzkörperbekleidung, aber als dann um fünf Uhr wieder die roten Körpersäfte fließen, reiße ich den Tierarzt aus seiner Samstagsruhe, packe meinen Djoser in unser Hutschefidel und brause nach Best. Djoser entpuppt sich wieder einmal als perfekter Patient, der alles über sich ergehen lässt. Und das, obwohl der Doktor dem guten braunen Hundili doch ziemlich zugreifend ans Gemächt muss, um festzustellen, wo denn jetzt der Stacheldraht hingestochen hat. Und die Wunde findet sich tiefer am – ähhhh – Schaft als gedacht. Da wird Kay zu Krankenschwester Kylie, der erst einmal gezeigt werden muss, wie man des Hundes bestes Stück richtig festhält, und gleichzeitig die Schutzhülle sorgfältig zurückhält, damit der Arzt mit seiner langen gebogenen Nadel richtig in das beste Stück hineinfahren kann… Aber da ist der Gute schon im Tiefschlaf. Sollte man immerhin meinen, wenn er in Narkose ist. Aber beim Einstich des scharfen Metalls sieht man den Vierfüßer zucken, sodass der Tierarzt noch einmal mit örtlicher Betäubung nachbessern muss. Um böse Erwartungen gleich im Keim zu ersticken, sei gesagt, dass Djoser jetzt keinen Pimmel mit Piratennarbe hat, weil zwei Stiche reichen.

Nach einer weiteren Spritze wird Djoser allmählich wieder etwas munter. Sobald der Gute einigermaßen selbstständig zum Auto torkeln kann, geht es wieder heimwärts. Die Müdigkeit ist aber von kurzer Dauer, als es daheim noch was zu essen gibt. Dafür rafft sich unser sture Kerl noch einmal auf…

Der Sonntag verläuft ruhig und am Montag scheint alles vorbei zu sein, als Djoser auf einmal verstärkt zu winseln anfängt. Dass Herrchen erschrickt sich natürlich aufs Tiefste, bis es dann feststellt, dass Djoser seinen Liegeplatz ans vordere Fenster zur Straße verlegt hat. Statt Stiche im Schniedel hat der virile Rüde jetzt nämlich das notgeile Leiden eines liebestollen Deckhengstes zu ertragen: die Nachbarhündin ist nämlich läufig und wirft mit Düften um sich her, scharwenzelt sogar mit ihrem Hinterteil vor unserem omnipotenten Braunfell, aber sowohl das Herrchen der schwarzen Hündin als auch das Herrchen des lustgeplagten Djosers sind sich einig, dass die beiden nicht zu einem Schäferstündchen in die Büsche entlassen werden.

Einige Tage später ist dann auch dieser Spuk vorüber… Die Fäden der Nähte an seinem Gemächt werden inzwischen wohl auch sicher entsorgt sein. Da freut sich der Hund.

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Über kaynerlei

Übersetzer, Dolmetscher und Deutscher mit Wahlheimat in den Niederlanden, liebem Ehemann, zwei Hunden und Faible für Oper und schöne Stimmen
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