Venedig vom 26.9. bis zum 30.9.2009

Per Express geht es durch die Vorstädte Roms hinaus in die hügelige Landschaft, wobei uns der Hochgeschwindigkeitszug nach Florenz trägt. Uns gegenüber sitzt ein Australier, aber auf dessen Versuche, ins Gespräch zu kommen, gehen wir nicht ein, um ruhig zu dösen, zu lesen und in Reiseführern zu blättern. In Florenz steigen nervige Schulkinder aus Österreich zu, aber wir lassen uns möglichst wenig stören, während der Zug jetzt etwas langsamer durch Hügel, Tunnel und dann die Poebene kurvt. Endlich aber gelangen wir ans Wasser und überqueren die Lagune, die den Zug zum Bahnhof von Venedig trägt. Dort purzeln wir aus dem Zug, drucken gleich noch unsere Zugfahrkarten nach München aus und treten dann ins Sonnenlicht des Bahnhofsvorplatzes. Hier sehen wir auf einmal all die typischen venezianischen Motive: Kanäle, Stege, Palazzi, Valporetti und natürlich viele unzählige Touristen, die sich drängeln, um auf eine der Boote zu kommen, die sie über den Canale Grande führen. Auch wir erstehen unsere Bigleti und verpassen prompt unser Schiff, kommen aber so in den Genuss des allmählichen Gewöhnens an die Atmosphäre dieser Lagunenstadt. Die Hoffnung auf ein vielleicht noch eine recht leere Valporetto zerschlägt sich beim Eintreffen des einigermaßen betagten Bootes relativ schnell und wir drängeln mit unserem Koffer an Bord, freuen uns aber, dass wir wenigstens noch einen wunderschönen Blick auf die Häuser am Ufer haben, während das Schiff ablegt, um dann von Anlegeplatz zu Anlegeplatz zu tuckern. Links und rechts finden sich imposante Fassaden, byzantinische Fenster und romantische Gärten. Die Rialtobrücke scheint unter der Last der Touristen fast einzusinken, und auch an den einzusehenden Plätzen sieht man viele kurze Hosen und herumgeschwenkte Kameras.

Dann dürfen wir schon aussteigen und rattern mit unseren dicken Koffern durch enge Gässchen und eine schmale Brücke. Zum Glück ist es nicht weit zu unserem Hotel San Moisè, in dem ein Gepäckträger unsere Koffer in unser liebliches Zimmer trägt. Ein venezianisches Bett mit Goldverzierungen steht inmitten zweier leicht heruntergekommener Kristallleuchter. Auch der Spiegel ist aus venezianischem Glas. Diese romantisch historisierende Einrichtung tröstet über den Blick auf den Hinterhof hinweg. Den Canale sehen wir dann vor dem Haus und vom Frühstücksraum aus. Nachdem alles schnell ausgepackt ist, ziehen wir los. Die Sache mit dem Stadtplan schenken wir uns, und bummeln einfach Richtung Markusplatz drauflos. Dort zieht es alle Touristen hin. Man könnte meinen, dass die Piazza durch all die Menschenmassen spontan in der Lagune versinken müsse, aber damit lässt sich diese Stadt anscheinend ja noch ein paar Jahrzehnte Zeit. Die Basilika und der Dogenpalast erstrahlen im Licht der Nachmittagssonne, was uns zu unseren ersten fotografischen Leistungen verführt. Und trotz all der Menschen zieht der herrliche Geruch der Seeluft in die Nasen. Auf alles ist man als Tourist vorbereitet, aber auf diesen allgegenwärtigen Duft des Meeres nicht. Manchmal mag es zwar ein wenig wie Kanalisation riechen, aber zumeist ist es doch die würzige, bittere Frische des Meeres, die einem in die Nase steigt. Nach diesem ersten Vorgeschmack auf die Hauptattraktionen der Stadt setzen wir uns vom Platz ab, um ein Restaurant zu finden, das wir ein paar Gassen und Kanäle weiter auch finden. Die Spezialität des Tages schlagen wir wegen der exorbitanten Preise zwar aus, aber den Pinot Grigio mit Gnocchi und gegrilltem Fleisch mit Tomatensalat lassen wir uns trotzdem schmecken. Hier geraten wir mit einem amerikanischen Pärchen ins Gespräch, das gerade Wien, München, Venedig und dann Florenz und Rom erkundet hat bzw. will. Ganz nett, aber dass die beiden meine Schuhe für in den USA völlig unmöglich bezeichnet, gibt einem über die Modernität dieses Landes doch zu denken. Aber durch die Plauderei ist das Essen kurzweilig. Anschließend ziehen wir noch ein wenig durch die Gassen, um ein kleines Café für einen abschließenden Wein zu finden, aber anscheinend bietet sich außer Restaurants abends kaum noch eine Osteria für einen gepflegten Burgunder an. Letztendlich finden wir noch ein Straßencafé für einen Prosecco. Aber da der Tag wieder lang war und die Seeluft müde macht, laufen wir schon gegen zehn zum Hotel, um dann bis halb neun auszuschlafen.

Der Sonntag ist ein Feiertag, den wir mit unserem ersten Hotelfrühstück einläuten. Endlich ein kontinentales Frühstück mit Jogurt, Kaffee und Tee, Marmelade, Brötchen und Nutella. Doch etwas anderes als der Cappuccino mit Dolce, den wir in Rom jeden Morgen genossen haben, auch wenn der Kaffee dort besser schmeckte als das Gebräu hier von der Warmhalteplatte. Dann machen wir uns zum Dogenpalast auf. Der Markusplatz wird aufs Schönste von der Morgensonne illuminiert, sodass wir uns Zeit lassen mit dem Palastbesuch. Zum Glück sind nur am Eingang viele Menschen. Innerhalb der weitläufigen Palastanlage verlaufen sich die Leute schnell. Wir haben uns dieses Mal sogar einen Audioguide geleistet, der uns in den Sälen, Zimmern, Fluchten und Gängen über die Kunstwerke von Tintoretto, Tizian, Veronese und anderen berichtet, und uns gleichzeitig die Namen von Dogen samt ihren Regierungszeiträumen nennt, die wir prompt wieder vergessen. Gut aber, um mehr über den Aufbau der venezianischen Republik mit ihren Einrichtungen und Organen zu erfahren. Im riesigen großen Saal bewundern wir dann das größte Leinwandgemälde der Welt, betrachten die Portraits aller Dogen Venedigs und lassen uns von den Dimensionen des Saals beeindrucken, nachdem wir vorher die Zellen und Verliese des Gefängnisses jenseits der Seufzerbrücke besucht haben. Danach kommen wir wieder hinaus ins Freie, wo uns die Sonnenstrahlen ins Auge stechen. Den Markusplatz verlassen wir hurtigen Schrittes, um nicht völlig zwischen den Touristen unterzugehen. In den Gassen der Altstadt wird es ruhiger und im Caffè zum Dogen sind wir fast die einzigen Gäste; das mag an den Preisen liegen, vermutlich aber eher daran, dass sich der normale Tourist inzwischen aufs Mittagessen einstellt. Allerdings sind die Dolci, die wir uns zum Cappuccino kommen lassen, so üppig, dass sie prompt als Mittagessen durchgehen können. Der Bummel durch die Altstadt entlang eleganten Designerläden, den unvermeidlichen Maskengeschäften sowie den Gaststätten unterschiedlicher Couleur führt uns wieder über kleine Brücken, die zum Teil einen malerischen, und doch nicht kitschigen Blick auf Häuserzeilen und Gondolieres bieten. Ob wir uns aber noch so eine Gondeltour erlauben wollen, ist uns beiden noch nicht ganz klar. Erst einmal heißt es für uns, dass es zum Abend in die Oper geht.

Während wir uns also noch ein wenig auf unserem ungemachten Bett herumliegen, überlegen wir uns schon, wie wir nachher wohl zur Oper kommen sollen. Alles ist somit wohldurchdacht, und läuft doch wieder anders als geplant, denn das Restaurant aus dem Reiseführer erweist sich als Reinfall und den Weg finden wir auch nicht so einfach. Aber auf einmal stehen wir doch an der Rialto-Brücke, die noch hässlicher als ich am Tage unserer Ankunft gedacht hatte. An der inneren Passage sind nur billige Touristenlädchen und an der Außenseite drängeln sich Touristen an der ehemals weißen, jetzt aber eher schmuddeligen Brücke. Und natürlich sind auch hier zu viele Gäste aus aller Herren Länder. Also schlagen wir uns gleich wieder nach links in die Seitenstraßen und finden unseren Weg zur San Giovanni Evangelista, wo es noch viel zu früh ist für Oper, aber wir wollen ja noch essen. Nachdem wir sogar bis zum Bahnhof gelaufen sind, finden wir dann doch eine Gaststätte mit einem hervorragenden Sauvignon, sympathischen Tischnachbarn aus der Schweiz und gutem Essen, sodass wir mit gutem Gefühl zur Kirche gehen, unsere Plätze einnehmen und die Oper auf uns zukommen lassen. Vor einem steinernen Marienbild geben die Sängerinnen und Sänger trotz der höchstens zur Hälfte besetzten Kirche ihr bestes und erfreuen uns mit ihren Darbietungen. Das kleine Orchesterchen mit zwei Geigen, einer Viola und einem Cello plus Klavier, das im Dauereinsatz ist, sorgen für ständige Daueruntermalung. Mit ein bisschen Fantasie und Vorwissen lässt sich die tragische Geschichte von Tosca und Mario bis zum Schluss gut nachempfinden und nacherleben. Nachdem allerdings erst ich in Rom verschnupft gewesen bin, hat es inzwischen den armen Robert erwischt, der sich freut, dass es nach so viel Oper wieder zum Hotel geht. Wir suchen uns einen Weg durch den Irrgarten, der Venedig heißt, nehmen die Holzbrücke bei der Accademia über den Canale Grande und freuen uns, als wir wieder bekanntes Terrain entdecken. Auch in dieser Nacht schlafen wir lang und gut.

Montag soll es uns dann zur Basilika San Marco führen. Aber leider ist hier schon morgens um halb zehn der Teufel los, sodass wir unseren Besuch auf später verschieben und wir weiterlaufen. Der zweite Versuch schlägt wiederum fehl, weil immer noch eine lange Schlange bei der inzwischen geöffneten Kirche wartet. Als dann beim dritten Besuch das Gotteshaus direkt vor unserer Nase aufgrund irgendeines Anlasses geschlossen wird, haben wir erst einmal die Nase voll und machen uns zum Bummel am Wasser auf. Dort entscheiden wir uns zur Bootsfahrt auf dem Valporetto Nummer 52, die uns ganz um Venedig führen soll. Nach einer guten Stunde mit wechselnden Gästen und im herrlichen Sonnenschein landen wir an einem stillen Eckchen von Venedig, wo wir langsam zurück zum Markusplatz schlendern. Aber wir genießen hier die Ruhe und freuen uns über verlassene Canale und menschenleere Gassen und Brücken. Bei der Kirche Giovanni e Paolo finden wir ein Kaffee mit akzeptablen Preisen, wo wir uns einen Spritz con Prosecco leisten. Spritz scheint so etwas wie Campari zu sein, nur in Orange. Die gotische Kirche mit ihren riesigen Ausmaßen besuchen wir aber nicht, weil wir keine Lust auf 2,50 Euro Eintritt haben. Stattdessen zockeln wir wieder zurück, und gelangen letztendlich bis zu unserem Hotel. Während sich Robert zur Ruhe begibt, setze ich mich mit dem Netbook nach draußen an den Canale vor dem Hotel, um meine E-Mails zu lesen. Die ganze Zeit fahren Gondeln an mir vorbei, die vor allem von Japanern gefüllt sind; so lande ich sogar in einigen der japanischen Fotoalben, denn ein Mann, der am Canale seinen Computer malträtiert, ist so manchem Fernosttouristen wohl ein Foto wert. Mit der Ruhe ist es auf einmal ein bisschen vorbei, als sich die ganzen venezianischen Ruderbötchen zu einem großen Pulk zusammenstauen. Da gucken die Touristen aber und die Gondoliere nehmen’s gelassen und mit Humor. Und tatsächlich, irgendwann ist die Ruhe auch wieder hergestellt und die Boote verschwinden wieder rechts um die Ecke. Ob die Touristen jetzt extra dafür bezahlen oder nicht; es kommen wirklich einige Gondeln mit singenden Gondolieres vorbei. Auf manchen ertönt ein Schifferklavier. Da wird also so mancher Gast aus dem Fernen Osten noch zusätzlich in den Geldbeutel gegriffen haben. Die Japaner lauschen gebannt und ich frage mich, ob das nicht wirklich zu viel des Guten ist. Aber man klatscht und ist begeistert. Tourismus gibt es eben in allen Maßen und Formen. Irgendwann wird es auch dann meinem Hintern auf den Holzdielen zu hart, sodass ich mich lieber aufs kuschelige Bett inmitten venezianischer Glasleuchter und leicht lädierter Dekospiegel lege, während ich die Imitatstuckdecke bewundere und gerade noch den Goldrahmen unseres Doppelbetts sehen kann. Dann bin ich erst einmal weg.

Zum großen Essen gehen sind wir heute irgendwie zu faul. Also bummeln wir stattdessen durch die Gassen, bewundern die Auslagen und genehmigen uns hier ein Sandwich, dort ein köstliches Eischen, genießen einen Cappuccino a banca und trotteln dann wieder weiter. Da wir uns ganz einfach eingestehen, dass wir müde sind, tun wir das, was hier anscheinend viele machen. Wir gehen ins Zimmer zurück. Denn während die beliebten Plätze während des Tages überlaufen sind, wird es gegen Abend überall still. Man entscheidet sich wohl zum Essen, aber auch danach bleibt es überall ruhig und still. Keine Herrscharen von Touristen, die sich noch auf Plätzen tummeln, sondern endlich ein wenig Ruhe und Stille. Aber all das machen wir also auch. Nachdem wir uns dann über den Ausgang der Bundestagswahl mit der Entscheidung für die Biene Merkel mit ihrem Westerwilli informiert haben, lassen wir uns auf den Fernsehfilm der Woche im Zweiten ein, der sich als absolute Katastrophe erweist. Lilys Geheimnis wird nicht nur falsch geschrieben (mit unerklärlichem aber sicherlich formschönem Apostroph) entpuppt sich als vorhersagbare und vor allem langweilige Dreiecksgeschichte, bei der zudem schlecht Regie geführt wurde, um von den schauspielerischen Qualitäten mal zu schweigen. Mühe gegeben hat sich da also niemand, sodass wir stattdessen die Fotoalben in meinem Netbook durchgehen, bis unser Minibarbier alle ist und uns die Augen zufallen. In dieser Nacht schlafen wir herrlich, was sich leider von der kommenden Nacht, unserer nächsten in Venedig, nicht sagen lässt.

Aber bevor es so weit ist, haben wir ja noch einen ganzen Tag Venedig vor uns. Morgens starten wir nach unserem Frühstück mit quietschsüßem O-Saft und gefüllten Puddingcroissants zu einem neuen Versuch, die Basilika San Marco zu besuchen. Obwohl auch jetzt wieder scharenweise Menschen vor dem Gebäude stehen, lassen wir uns nicht beirren. Wir können besser jetzt einmal anstehen, als den ganzen Tag in der Hoffnung hier wieder aufkreuzen, dass es vielleicht doch einmal ruhig und entspannt ist. Und die Warteschlange verkürzt sich schnell, sodass wir innerhalb von fünf Minuten bereits in der Kirchenvorhalle stehen. Schon hier scheinen sich die Mosaike zu überbieten. Im Innenraum wölben sich die verzierten Kuppeln dann über unseren Köpfen, rechts und links sind die Wände mit Mosaiken bedeckt und selbst auf dem Fußboden finden sich graphische Mosaike, die Robert am besten gefallen. Hier liegen Kreise, Rauten, Vierecke und Rechtecke, die einem immer wieder an Escher denken lassen. Ein ruhiger Gegensatz, zu den Heiligen an der Decke, die vom Heiligen Geist beschenkt oder von Christus zusammengehalten werden. Ich tätige noch eine Investition für den Besuch der Palla d’Oro, zum Teil auch wegen des Wunsches, dann vielleicht ein paar weniger Touristen zu sehen… vergebliche Liebesmüh. Aber die Goldtafel, die mit Heiligenbildern, Edelsteinen und natürlich Gold bedeckt ist, ist tatsächlich etwas ganz Außergewöhnliches. Auch hier sind dann wieder Abergläubige, die denken, dass die Berührung des Goldtafel ihr eigenes Leben glücklicher macht. Währenddessen liegt der Steinsarkophag des heiligen Markus stille unter dem Alter vor sich hin, sodass Robert ihn sogar übersieht. Aber wer weiß, was sich überhaupt in dem Sarkophag befindet, denn die Gebeine des heiligen Markus waren nach dem Brand im Jahre neunhundertnochwas ungefähr hundert Jahre verschwunden, bis sie dann praktischerweise zur Einweihung des Neubaus wieder auftauchten. Da sieht man einmal, dass sich auch ein Heiliger zu benehmen weiß, und sich nicht als Spielverderber benimmt, indem er verschwunden bleibt. Wir lassen uns dann weiter durch die Kirche schieben, in der es noch Vieles zu sehen gibt. Die Quadriga und den Ausblick von oben schenken wir uns allerdings, weil uns weder Eintritt noch Exponate oder Ausblicke locken können. Genug der Touristenschieberei. Draußen schlagen wir uns dann umgehend in eine der Seitenstraßen und fangen mit dem Shopping an. Einige Abstecher in mondäne Läden bleiben zum Glück für unsere Kreditkarten folgenlos, während die Besuche bei Herrn Klein, Familie Guess und Gas allerdings zur Belastung unseres Saldos führen. Aber immerhin wird mir mein Ankauf bei Guess formschön in einer Einkaufstüte mit Konterfei eines Sophia-Loren-Look-a-Like überreicht, während Einkaufsbeleg dezent verpackt in Schubhülle nebst Kreditkarte auf einem Tablett kredenzt wird. Das ist Geldausgeben mit Stil venezianischer Art. Um bei der Stange zu bleiben, pushen wir unsere Lebensgeister mit ein wenig Kaffein, bevor wir am frühen Nachmittag auf einmal wieder an der schönen Piazza Giovanni e Paolo landen, bei der wir uns mit einem Spritz entspannen und den Touristen bei dem Schlendern von links nach rechts zusehen. Wir schließen uns den Menschen wieder ein und durch langsames Folgen und Betrachten der anderen ergibt sich fast wie von selbst, wie wir weiter zu gehen haben. Nur selten passiert ist, dass wir au einmal ganz woanders landen, als wir es eigentlich beabsichtigt hatten. Und nach vier Tagen in der Stadt, kennen wir dir meisten der Gassen und Plätze schon, wenn wir die meisten auch erst auf den zweiten Blick wiedererkennen, weil wir beim Besuch vorher aus einer anderen Richtung oder zu einer anderen Tageszeit hier waren. So setzt sich uns das Bild der Stadt immer besser zusammen und prägen sich die Eindrücke viel weitreichender in unserem Gedächtnis als ein Gesamtbild ein. Wir treffen wieder auf Fassaden, Schaufenster, Skulpturen, Kirchen und sogar auf Touristen, die sich aus irgendeinem Grund von der breiten Masse hervorstechen.

Nach einer weiteren Siesta, bei der ich entspannt vor dem Hotel gelesen habe, bevor ich mich auch noch ein wenig aufs Bett gelegt habe, geht es am Abend wieder auf zu neuen Ufern, oder besser gesagt, auf zum letzten Essen in bella Italia. Auf der Piazza San Stefano, wo wir bisher nur einmal gesessen haben, lassen wir uns zu Pizza und Spagetti mit Pinot grigio grave nieder. Wir sind um halb sieben mal wieder früh dran, aber dadurch haben wir den Vorteil der Wahl, während schon kurz nach sieben alle Tische besetzt sind und Neuankömmlinge warten müssen. Aber hier werden wir nicht weggestarrt und können ganz in Ruhe unseren Vino austrinken, und sogar noch einen Grappa (due grappe, wie mich der Ober belehrt) bestellen können. Im Prinzip hätte uns dies die erforderliche Bettschwere bieten sollen, aber leider kommt das Ganze dann doch etwas anders, als wir denken. Schon im Laufe des Nachmittages ist es schwüler geworden und auch jetzt am Abend ist es noch warm. Darum ist es im Zimmer noch warm. Das ist allerdings noch nicht das Störendste; das ergibt sich erst, als wir feststellen, dass wir nicht allein sind. Es summt nämlich um unsere Köpfe herum. Das ist nicht das erste Mal leider, aber jetzt am schlafvertreibendsten. Das Werbeblatt vom Mediamarkt hat sich schon eher als gute Mückenklatsche erwiesen, sodass das Zimmermädchen eigentlich noch ein paar Leichen von der Stuckwand kratzen sollte, aber in dieser Nacht hat Robert irgendwann die Nase gestrichen voll und greift zum Handtuch. Nachts um zwei Uhr geht also das Licht an. Robert steht in gestreiften Unterhosen und weißem T-Shirt auf dem Bett und schwingt bedrohlich das Handtuch. Zack, knallt das Handtuch auf die Wand. Nach drei oder vier Treffern gibt mein Liebster die Jagd auf und hopst dann nicht mehr auf dem Bett herum. Ich schalte zwecks Mückenvertreibung und zur Kühlung die Klimaanlage ein, die mich dann den Rest der Nacht mit kalter Luft überschüttet. Also stehe ich nach einiger Zeit noch einmal auf, um die eingestellte Temperatur ein wenig zu erhöhen, damit wir in unseren Betten nicht hoffnungslos erfrieren. Robert hat sich inzwischen zum Schutz völlig unter die Bettdecke zurückgezogen, sodass nicht mehr ein bisschen Haut erkennbar ist. So bleibt unserer Restmücke also überhaupt keine Chance mehr.

Mit einem Haufen Schmutzwäsche sind die Koffer inzwischen schnell gepackt. Der Kaffee zum Frühstück tut gut, sollte aber irgendwie intravenös eingeführt werden. Nach dem Auschecken verlassen wir schon früh um kurz vor neun unser Hotel und stehen in Minutenstelle am Landungssteg der Vaporetto, die auch fast sofort eintrifft. Noch einmal geht es im Zickzackmuster von links nach rechts über den Canale Grande, der sich ums Zentrum herumlegt, uns aber richtig zum Bahnhof bringt. Im Morgendunst sehen wir noch einmal die noch ruhigen Palazzi am Canale, die Rialtobrücke, die Hotels, Stege und Gassen, bevor der Zweckbau des Bahnhofsgebäudes vor uns liegt. Wiederum brauchen wir keine Angst zu haben, dass wir zu spät kommen, denn jetzt haben wir noch mehr als eine Stunde Zeit, bis unser Zug abfährt, weil die Alternativen entweder einen Zuschlag erfordert hätten oder im besten Regionalexpressstil an jeder Milchkanne gehalten hätten. Also warten wir brav auf unseren Zug von kurz nach elf und hoffen, dass es mit dem Umsteigen in Verona nachher keine Probleme gibt. Nach Rom ist jetzt auch die zweite Etappe unserer Reise fast Vergangenheit. Beide Städte sind unglaublich unterschiedlich, beide jedoch sollte man einmal gesehen haben, auch wenn sich die Frage stellt, ob ich mir noch einmal so viel Zeit für einen Besuch in einer der beiden nehmen würde. Aber bei einem nächsten Mal reicht selbstverständlich das Wiedererkennen und das Auswählen der gewünschten Orte und Plätze aus. Dadurch sind keine langen Aufenthalte, sondern mehr genussvolle Stippvisiten angebracht. Aber all das wird irgendwann in der Zukunft stattfinden. Jetzt geht es erst einmal zum Security Check fürs Oktoberfest.

Advertisements

Über kaynerlei

Übersetzer, Dolmetscher und Deutscher mit Wahlheimat in den Niederlanden, liebem Ehemann, zwei Hunden und Faible für Oper und schöne Stimmen
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Venedig vom 26.9. bis zum 30.9.2009

  1. Anonymous schreibt:

    [url=http://www.keeblephotography.co.uk]Essex Wedding Photographer[/url]

  2. Anonymous schreibt:

    It's so easy to choose high quality [url=http://www.euroreplicawatches.com/]replica watches[/url] online: [url=http://www.euroreplicawatches.com/mens-swiss-watches-rolex/]Rolex replica[/url], [url=http://www.euroreplicawatches.com/mens-swiss-watches-breitling/]Breitling replica[/url], Chanel replica or any other watch from the widest variety of models and brands.

  3. Anonymous schreibt:

    The French gourmet cheese Bleu d'Auvergne has a wonderful aroma, a rich taste; the saltiness increases with the incidence of veining. The overall flavor is piquant but not overly sharp. Bleu d'Auvergne started life as an imitation of Roquefort, using cow's milk in place of sheep's milk. Legend has it that a peasant, around 1845, decided to inject his cheese with a blue mold that he found growing on his left-over bread (the motto being, waste not, want not). And thus, the gourmet cheese Bleu d'Auvergne was born. This French gourmet blue cheese comes from the region of Auvergne and the cheese is made from milk of Salers and Aubrac cows. The rind is very thin and so the cheese is usually wrapped in foil. The cheese is rich and creamy with a pale yellow color and scattered holes and well-defined greenish-blue veining. We cut and wrap this cheese in wedge of 8 ounces and 1 pound.buy fresh blue cheese[url=http://riderx.info/members/buy_5F00_fresh_5F00_blue_5F00_cheese.aspx]buy fresh blue cheese[/url]http://riderx.info/members/buy_5F00_fresh_5F00_blue_5F00_cheese.aspx

  4. Anonymous schreibt:

    [url=http://www.webjam.com/buyreductilonline] Buy reductil onlinehttp://www.webjam.com/buyreductilonline

  5. Anonymous schreibt:

    Hello,I have developed a new clean web 2.0 wordpress theme.Has 2 colours silver and blue, has custom header(colour or image).I am curently working on it, so if you have suggestions let me know.You can view live demo and download from here http://www.getbelle.comIf you found bug reports or you have suggestions pm me.Wish you a happing using.many thanks to [url=http://www.usainstantpayday.com/]USAInstantPayDay.com[/url] for helping with hosting and developement of the themeaccundFub

  6. Anonymous schreibt:

    thanks for adding me to the forum[url=http://reklama.nason-gorod.ru/forum/profile.php?id=57673].[/url]

  7. Anonymous schreibt:

    Exceptional website!Almost everyone needs to acquire insurance at one time or another, whether it is auto insurance, life insurance, health insurance, or homeowners insurance. These times it is easier than ever to find complimentary insurance quotations from various companies in order to find the foremost deal. You can also see how to save a good deal of money in free gas when you acquire your insurance cost quotes.[url=http://freeinsurancequoteshq.com]Insurance price quotes[/url]http://freeinsurancequoteshq.com[url=http://freeinsurancequoteshq.com/home/compare-house-insurance-for-free.html]Compare house insurance[/url]http://www.weddingringsforever.com/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s